Myasthene und pseudomyasthene Krise





Peter Herkenrath
Document No: NEURO 10/2000


Oktober 2000

Abstract

Es wird ein Algorithmus zum Krisenmanagement bei akuten Störungen der neuromuskulären Übertragung beschrieben.

Table of Contents


1 Einleitung

Die Myasthenia gravis findet sich mit einer Prävalenz von 6-12/100000. Früher starben 30% der Patienten mit generalisierter Form in den ersten Erkrankungsjahren. Die Letalität ist dank Einführung immunsuppressiver Therapie und intensivmedizinischer Krisenintervention auf 1-2% zurückgegangen. Dies erfordert ein optimiertes Vorgehen beim diagnostischen und therapeutischem Management myasthener und pseudomyasthener Krisen.

2 Leitsymtom

Zum Teil fluktierende, unterschiedlich rasch progrediente, schmerzlose abnorme muskuläre Erschöpfbarkeit und Muskelschwäche, meist generalisiert, aber auch bulbäre und/oder okuläre Betonung.

Zur Krise kommt es durch Beeinträchtigung der Schluck- und respiratorischen Funktion.

3 Häufigste Szenarios

  1. Diagnose Myasthenie bekannt
  2. Aetiologie unklar

4 Myasthene oder cholinerge Krise?

Gemeinsame Symptome

Myasthene Krise

Cholinerge Krise

5 Weitere Differentialdiagnose

Myasthene und pseudomyasthene Erkrankungen sind durch Störung der neuromuskulären Übertragung gekennzeichnet.

Myasthenia gravis
Bildung von Autoantikörpern gegen antigene Determinanten des nikotinergen Acteylcholin-Rezeptors (ACh-R), Verminderung der ACh-Rezeptorzahl und postsynaptische Störung der Erregungsleitung an der Endplatte.
Pseudomyasthene Erkrankungen
alle anderen Erkrankungen, bei denen es ebenfalls zu einer Beeinträchtigung der neuromuskulären Übertragung kommt:

Auch viele weitere Erkrankungen können zu krisenhaften klinischen Bildern führen, die differentialdiagnostisch an eine Myasthenie denken lassen. Das Leitsymptome ``Lähmung''

müssen weiter aufgeschlüsselt und korrekt eingeordnet werden.

In erster Linie kommen folgende Erkrankungen in Frage:

Muskelerkrankungen
Motoneuron-/Peripheres Neuron-Erkrankungen
ZNS-Erkrankungen
Psychogene Lähmung

6 Alarmsymptome der drohenden Krise

7 Notfall-Diagnostik

Sofort durchzuführende Notfalldiagnostik:

  1. Pharmakologischer Test mit Edroniumchlorid (``Tensilon-Test'': Camsilon).
  2. ACh-R-Ak (Sensitivität ~90%, Spezifität ~100%)
  3. Allgemeines Labor (vor allem: Kalium, Calcium, Blutbild, Entzündungsparameter, BSG, T3/T4/TSH)

Eventuell ist auch zur DD eine electrophysiologische Untersuchung (EMG/NLG) und eine Bildgebung (Schädel-CT/MRT (Tumor, MS), Rö-Thorax (Pneumonie/Atelektase/Thymom)) notfallmässig sinnvoll.

8 Notfall-Monitoring

9 Akutversorgung

10 Immuntherapie der Myasthenia gravis

Glucosteroide
Prednisolon: Zieldosis 80-100mg/d. Schrittweise Dosissteigerung ab 20mg/d aufwärts wegen Gefahr der Verschlechterung bei hoher Initialdosis. Beim bereits intubierten Patienten direkt Zieldosis. Nach 3-5 Tagen schrittweise Reduktion.
Immunglobuline
Indiziert bei Kontraindikationen gegen Plasmapherese (Verfügbarkeit, Gerinnungstörung, Sepsis, Schock): 0,4g/kg an 3-5 Tagen.
Plasmapherese
besser noch Immunadsorption. 3-5 Behandlungen im zwei-tägigem Rhythmus. Effektivität gegenüber Immunglobulinen umstritten.
Immunsuppressiva
Azathrioprin 1-3mg/kg/d. Ziel: Leucozyten-Reduktion auf abs. 800-1000/ul. Effekt nicht vor 6-12 Wochen zu erwarten. Cyclosporin A, Methotrexat u.a. als Reservemedikamente.

11 Literatur