Vorwort

Was ist so schwer an der Kopf- und Tumorschmerztherapie?

Bereits vor 13 Jahren veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation WHO ihre Empfehlungen zur Tumorschmerztherapie, die wiederholt in der klinischen Praxis bestätigt wurden. Diese Empfehlungen zeigen uns, daß mit wenigen einfachen Grundsätzen bei über 80 % der Patienten eine zufriedenstellende Schmerzlinderung erreicht werden kann.


Warum lassen sich diese Erkenntnisse also nicht in den ambulanten Bereich übertragen?

Reichen die schmerztherapeutischen Kenntnisse und Fähigkeiten bei den niedergelassenen Ärzten nicht aus? Im Überfluß der Fortbildungsangebote und bei der Vielzahl der behandelten Krankheitsbilder ist es nachzuvollziehen, wenn es niedergelassenen Ärzten schwerfällt, der Schmerztherapie - und hier besonders der Tumorschmerztherapie - Priorität in der Fortbildung einzuräumen.
Selbst wenn in der ärztlichen Aus- und Weiterbildung Schmerztherapie und Palliativmedizin angemessen berücksichtigt würden, wird es den niedergelassenen Internisten, Allgemeinärzten und schmerztherapeutisch tätigen Anästhesisten schwerfallen, die Kompetenz in diesem Bereich zu halten oder zu erhöhen, da nur wenige Patienten mit Tumorschmerzen im Quartal behandelt werden.
Verstärkt gilt dieses für Therapieverfahren wie die subkutane oder rückenmarksnahe Opioidapplikation, die bei wenigen Patienten in weit fortgeschrittenem Krankheitsstadium erforderlich werden. Diese Patienten werden stationär aufgenommen, obwohl unter besseren strukturellen und organisatorischen Voraussetzungen der Verbleib im häuslichen Umfeld durchaus möglich wäre.

Benötigt werden also Organisationsstrukturen, die eine Beratung und Koordination in der Tumorschmerztherapie, im Einzelfall auch die ambulante Mitbehandlung von Tumorpatienten ermöglichen, ohne daß die Patienten ihr häusliches Umfeld verlassen müssen.

Modellprojekte zur Verbesserung der ambulanten schmerztherapeutischen Versorgung fördert das Bundesministerium für Gesundheit seit 1996 in Erlangen, Göttingen, Greifswald und Köln. Die Modellprojekte sollen die Leitlinien der Tumorschmerztherapie in der hausärztlichen Routine etablieren. Das Kölner Projekt STAN (Schmerztherapeutisches ambulantes Netzwerk der Region Köln) versucht dies durch die Einführung von Netzwerkstrukturen zwischen Arztpraxen und universitären Schmerzambulanzen. Fort- und Weiterbildung werden kombiniert mit Schmerzkonferenzen, Balintgruppen und fallbezogenen Beratungen für niedergelassene Ärzte.

Im Rahmen des Schmerztherapeutischen ambulanten Netzwerkes wurde dieses Manual erstellt, das eine kurze und übersichtliche Therapieanleitung für Ärzte, Psychotherapeuten und Pflegepersonal in Praxis und Klinik bieten soll. Es orientiert sich an den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO und der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärztekammer. Dieses Manual basiert auf einer für die Erfordernisse des Internets angepaßten Papierversion. Es wurde vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert als Teil des Projektes "Effiziente Schmerztherapie in der hausärztlichen Praxis - Multimediale Unterstützung der Patientenaufklärung und ärztlichen Fortbildung".

Die hier zusammengestellten Empfehlungen entsprechen den therapeutischen Richtlinien des Instituts für Psychosomatik und der Schmerzambulanz der Klinik für Anästhesiologie der Universität zu Köln. Hinweise zu Dosierungen, Nebenwirkungen und Besonderheiten, wie auch die Auswahl der Wirkstoffe und Präparatenamen spiegeln persönliche Ansichten und Erfahrungen der Autoren wieder. Hinsichtlich der Dosierungsempfehlungen der Medikamente wurde die größtmögliche Sorgfalt beachtet. Dieses entbindet den Benutzer jedoch nicht von der Verpflichtung, anhand der Beipackzettel zu verschreibender Präparate zu überprüfen, ob die dort gemachten Angaben von denen in diesem Manual abweichen, und seine Verordnung in eigener Verantwortung zu bestimmen.

Dr. med. Lukas Radbruch

 

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© STAN, Universität zu Köln, 1999